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Home Based Models of Day and Respite Care
Jim Kilgour, Team
Manager
der Joint Dementia Initiative (JDI), berichtet über „Home Based
Models of Day and Respite Care, zu deutsch etwa „Tages- und
Kurzzeitpflege in Privathaushalten“, die die Initiative mit Hauptsitz
in Falkirk entwickelt hat und seit 1992 erfolgreich betreibt.
Das
Hauptanliegen der JDI ist es, Dienste
anzubieten, die Menschen mit Demenz wirklich benötigen und die
ihnen helfen, ihre Selbständigkeit länger zu erhalten.
Größter Wert wird darauf gelegt,
- den
Kranken mit Würde und Respekt zu begegnen,
- ihre
Lebensqualität zu wahren,
- mit
ihnen zu kommunizieren,
- ihnen
zuzuhören, sie zu beobachten und zu
berühren und
- die
Person stets in den Mittelpunkt zu stellen.
Die
Arbeit der JDI begann mit Gruppenangeboten für
Angehörige, Kranke, Früherkrankte und Partner von
Früherkrankten. Es stellte sich bald ein Bedarf an geeigneter,
spezieller Tages- und Kurzzeitpflege heraus, und man sah keine
Möglichkeiten, diesen kurzfristig durch reguläre
Einrichtungen zu decken. Deshalb wurden die nachfolgend dargestellten
kreativen Lösungen entwickelt.
Home from Home (Tagespflege in einem
Zuhause)
Durch
einen speziellen Zuschuss von der
Mental-Illness-Stiftung in Höhe von 10.000 Pfund, etwa 15.500 €,
konnte 1992 ein Pilotprojekt in Alloa erprobt werden.
Es war eine Region ohne Tagespflegeangebote für Menschen mit
Demenz. Der Entwicklungsprozess für das Projekt „Home from Home“,
an dem demenzkranke Menschen, deren Angehörige und Professionelle
mit unterschiedlichem Erfahrungshintergrund beteiligt waren, dauerte
sehr lange. Es schien den Nutzern (Menschen mit Demenz) am ehesten die
Möglichkeit zu bieten, sich akzeptiert, integriert und normal zu
fühlen, denn es vereinigt viele Gesichtspunkte, die für diese
Zielgruppe wichtig erscheinen:
- eine
kleine Gruppe,
- ein
hoher Betreuungsschlüssel,
- eine
normale, häusliche Umgebung,
-
familiäre Gastfreundschaft,
-
gegenseitige Unterstützung,
- die
Möglichkeit, Fertigkeiten zu entwickeln und
Fähigkeiten zu erhalten,
- eine
warme und akzeptierende Atmosphäre, u.s.w.
„Häusliche
Tagespflege“ schien dafür
nicht der geeignete Name zu sein. Es geht mehr in die Richtung, einen
besonderen Tag im Haus von Freunden zu verbringen.
Freiwillige
wurden gesucht, die bereit waren, ihr Haus
an einem Tag in der Woche zu öffnen und bis zu fünf Menschen
mit Demenz für einen festgelegten Zeitraum zu betreuen. Sie werden
immer von einer zweiten Person unterstützt, einer Freundin,
Verwandten oder Bekannten, und bekommen die Unkosten und Auslagen
ersetzt.
Zwischen
1992 und 1995 wurden 11 Haushalte
gefunden und entwickelt, viele von ihnen stehen bis heute zur
Verfügung.
Das
Projekt wurde zunächst durch regionale
Sozialarbeiter evaluiert und später von einem Wissenschaftler der
Universität. Es kam heraus, dass dieses Modell genau den
Bedürfnissen der Nutzer entspricht und auch sehr
hilfebedürftige Menschen mit Demenz darin unterstützt,
länger in ihrer eigenen Wohnung zu leben.
Im Jahr
1995 stieg die Nachfrage an und so wurde
versucht, das „Home from Home“-Projekt in einem größeren
Maßstab aufzuziehen. Es sollten nun Betreuer gefunden werden, die
ihr Zuhause für 5 Tage pro Woche zur Verfügung stellten, es
musste aber eine bessere Möglichkeit der Bezahlung gefunden
werden. Das benötigte Geld wurde erneut von der
Mental-Illness-Stiftung zur Verfügung gestellt. Nach Beratungen
mit den relevanten Behörden und Ämtern wurde
schließlich offiziell genehmigt, dass die
Home-from-Home-Betreuer/innen einen Status als Selbständige
bekommen sollten.
Es
stellte sich heraus, dass die Öffnung an 5
Tagen in der Woche mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden war und
die Betreuerinnen überforderte. Deshalb sind die meisten
Häuser zur Zeit an 2 Tagen in der Woche geöffnet, was sich
sehr gut bewährt hat. Einige öffnen auch nur für einen
Tag, ein Haus nimmt an 4 Tagen Gäste auf.
Während
der Überprüfung (näher
erläutert im Handbuch)
der Häuser im Jahr 1999 entschieden sich einige Betreuerinnen
dafür, wieder zu ihrem Freiwilligenstatus zurück zu kehren.
Dabei hat sich jede Region (Falkirk Council, Stirling Council und
Clackmannan Council) etwas anders entwickelt, abhängig von der
Nachfrage, den finanziellen Möglich-keiten und dem Angebot an
Freiwilligen. Da der Zuschuss der Mental-Illness-Stiftung in den
letzten 4 Jahren nicht erhöht wurde, konnten neue Entwicklungen
nur punktuell und durch die Unterstützung der
Gemeinde-Pflege-Teams erfolgen.
Durch
die Einführung des Pflegegesetzes im
Jahr 2001 (Scotland Care Act 2001) wurden Kommissionen eingesetzt und
beauftragt, die Tagespflegeangebote für Erwachsene anzuerkennen
und regelmäßig zu kontrollieren. Die Home from Home-Projekte
fallen unter die Definition Tagespflege und die Joint Dementia
Initiative wurde als Agentur zur Anerkennung und Überprüfung
zugelassen.
Laut
Jahresbericht 2002/2003 gab es folgende
Nutzer in den Home from Homes:
|
Status
|
Falkirk
Council
|
Stirling
Council
|
Clackmannan
Council
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|
10
|
9
|
7
|
|
|
2
|
2
|
1
|
|
|
45
|
10
|
12
|
|
|
28
|
3
|
5
|
|
|
85
|
24
|
25
|
Time to
Share (Zeit teilen)
Dieses Angebot wurde
1993
entwickelt. Angehörige von Menschen mit Demenz benötigen ab
und zu Urlaub von der Pflege und eine Möglichkeit zur
Regeneration. Das Problem, das Angehörige von Menschen mit Demenz
mit normalen Kurzzeitpflegeeinrichtungen haben, ist bei uns auch seit
langem bekannt: oft kommen die Kranken so verschlechtert aus einer
Kurzzeitpflege nach Hause zurück, dass die Betreuung unter
erschwerten Bedingungen erbracht werden muss und der Erholungseffekt
der Angehörigen schnell verbraucht ist.
Ziel
der Joint Dementia Initiative war es deshalb,
den Angehörigen einen einzigartigen Dienst anzubieten: ihre
Kranken sollten in einer normalen, gemütlichen Umgebung optimal
betreut werden und entspannt nach Hause zurück kehren. Gesetzliche
Rahmenbedingungen (Community Care und Health [Scotland] Act 2002)
unterstützen Möglichkeiten, Kurzzeitpflege für Menschen
mit Demenz qualitativ zu verbessern.
Verschiedene
Strategien wurden diskutiert mit dem
Ergebnis, dass es am sinnvollsten sei, Menschen mit Demenz während
eines begrenztren Zeitraums von einer Person in einer normalen
Umgebung zu betreuen. Das Motto lautet „einen gemeinsamen Urlaub in
einer normalen Umgebung zu verbringen“. Dem entsprechend werden die
Unterkünfte in Hotels, Pensionen, im Caravan oder in der
Wohnung/im Haus der Betreuerin gewählt. Natürlich können
die Kranken auch in ihrer eigenen Wohnung betreut werden, wenn die
Angehörigen dies wünschen und selbst verreisen.
Es
gelten die gleichen Zielsetzungen wie für
Home from Home:
- dem
Kranken mit Würde und Respekt zu begegnen,
- seine
Lebensqualität zu wahren,
- mit
ihm zu kommunizieren,
- ihm
zuzuhören, ihn zu beobachten und zu
berühren und
- die
Person stets in den Mittelpunkt zu stellen.
Eine
engagierte Person musste gefunden werden, die das
Projekt „Time to Share“ managt. Ihre Aufgabe war es, Betreuer/innen zu
finden, sie zu trainieren, zu unterstützen, das Projekt bekannt zu
machen und zu erproben. Bevor jemand speziell hierfür eingestellt
werden konnte, haben alle Mitarbeiter/innen der JDI diese Aufgaben mit
übernommen und ununterbrochen hart gearbeitet, um das Projekt
voran zu bringen und zu entwickeln.
Der
wichtigste Punkt für das Gelingen ist,
dass die Beziehung zwischen dem Kranken und der Betreuerin/dem Betreuer
klappt und harmoniert. Vor dem gemeinsamen „Urlaub“ lernen sie sich
immer erst bei einer Tasse Tee kennen. Es finden mindestens drei
Besuche statt, damit sich eine vertrauensvolle Beziehung entwickeln
kann. Ist das nach dem 3. Besuch noch nicht geschehen, wird eine andere
Betreuerin gewählt.
Die
wichtigste Aufgabe der Betreuer/innen ist es,
für das Wohlbefinden des Kranken zu sorgen und ihn darin zu
unterstützen, das zu tun, was er möchte. Sie bekommen ein
Handy und können während des gemeinsamen Urlaubs zu jeder
Zeit, Tag und Nacht, eine Fachkraft der Joint Dementia Initiative
erreichen, um sich in schwierigen Situationen Hilfe zu holen. Das kommt
aber sehr selten vor.
Für
einen siebentägigen
Kurzzeitpflegeaufenthalt werden von der zuständigen Stelle
(Kommune) 356 Pfund, das sind etwa € 555
gezahlt. Bei uns beträgt der Tagessatz in einer normalen
Kurzzeitpflege zwischen € 88 und € 90, in einer
gerontopsychiatrischen Einrichtung € € 95,68, 7 Tage kosten also
zwischen € 616 und € 669,76.
Das
reicht für die Unterkunft und Verpflegung
beider Personen und eine Aufwandsentschädigung für die
Betreuerin (die Höhe werde ich noch ermitteln).
Das
Konzept hat sich bewährt. Laut
Jahresbericht 2002/2003 wurden insgesamt 108 Wochen Kurzzeitpflege in
einer 1:1-Betreuung durchgeführt, die Zeiträume variieren
dabei zwischen einem Tag und zweieinhalb Wochen. Es wird immer
versucht, flexibel auf die Wünsche der Angehörigen
einzugehen. Empfohlen wird ein Zeitraum von 7 Tagen, den die Betreuer
in der Regel gut bewältigen können.
Wie
bei Home from Home wird auch das Angebot Time
to Share evaluiert und es werden regelmäßig
Qualitätssicherungsmaßnahmen durchgeführt. Jane
Robertson, Stirling University, untersuchte in ihrer Dissertation das
Angebot Time to Share, bezogen auf Paare, von denen ein Partner an
Demenz erkrankt ist. Sie hat dafür 6 Paare interviewt. Folgender
Abschnitt stammt aus der abschließenden Zusammenfassung ihrer
Untersuchung:
„Diese
Studie untersucht die Auswirkungen der
Kurzzeitpflege auf Paare, von denen ein Partner an Demenz erkrankt ist.
Das wichtigste Ergebnis ist, dass die gemeinsame Versorgung in einem
familiären Setting während der Kurzzeitpflege sehr effektiv
die Bedürfnisse der an Demenz erkrankten Menschen und ihrer
Partner trifft. Dieses Ergebnis steht im Widerspruch zu einem
großen Teil der bestehenden Literatur über Kurzzeitpflege.
Die meisten Studien haben herausgefunden, dass traditionelle
Kurzeitpflegeeinrichtungen, die gewöhnlich die Menschen mit Demenz
von ihren Angehörigen trennen, keine günstigen Auswirkungen
auf deren Wohlbefinden und Lebensqualität haben. In dieser Studie
wird hingegen dargestellt, wie sehr sich die Beteiligten über die
während ihrer Kurzzeitpflege gemachten Erfahrungen freuen. Die
Menschen fühlen sich wohl, entspannt und glücklich und
erklärten, dass dieses Angebot eine Bedeutung für ihr Leben
hat. Die herausgefundenen Ergebnisse belegen, dass dieser alternative
Ansatz der Kurzzeitpflege, der direkt auf die Bedürfnisse des
demenzerkrankten Menschen und dessen Partners reagiert und sie als
zusammengehörende Familie begreift, positive Auswirkungen für
die Beteiligten hat.
Verschiedene
Gesichtspunkte wurden untersucht um
zu belegen,
warum das Angebot erfolgreich ist. Der wichtigste Punkt ist, dass das
Angebot sich an beide Personen richtet: den demenzkranken Menschen und
seinen Partner. Es zielt darauf ab, dass beide sich
wohlfühlen und entspannen können, sozial integriert werden,
an verschiedenen Aktivitäten teilnehmen und dabei sowohl mit
anderen Menschen zusammen sein können, als auch mit ihrem Partner.
Dieses Konzept stimmt mit anderen Untersuchungen überein, die die
Bedeutung der sozialen und emotionalen Aspekte für die
Lebensqualität herausgefunden haben (z.B. Dabbs, 1999). Die
herausgefundenen Ergebnisse unterstützen auch die von Kitwood
(1997:1982) ermittelten Bedürfnisse für Wohlbefinden:
Bindung, Einbeziehung, Trost und Beschäftigung. Die vorgestellte
Untersuchung unterstützt die früheren Forschungen zur
Lebensqualität für Menschen mit Demenz und fügt ein
empirisches Ergebnis hinzu, das die Bedeutung der konzeptionellen
Rahmenbedingungen mit personenzentrierter Pflege eines Angebots
unterstreicht.“
Text:
Bärbel Gregor
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